Zum Tag des Glyphosats

Als die Wissenschaftlerin Rachel Carson 1962 ihr epochales Buch “Stummer Frühling” veröffentlichte, in dem sie die verheerenden Folgen für die Biosphäre anprangerte, die durch den Einsatz von Pflanzen“schutzmitteln“ ausgelöst würden, schrieb ihr im gleichen Jahr der Theologe und Trappistenmönch Thomas Merton:

„Ihr Buch ist eine perfekte Diagnose der Krankheiten unserer Zivilisation und es macht mir klar, dass es ein konsistentes Muster gibt, das allem unterlegt ist, das wir tun, jedem Aspekt unserer Kultur, unserer Gedanken, unserer Wirtschaft und unser gesamten Lebensführung.

Es ist allerhöchste Zeit, dass wir alle, egal wie groß die Sorgen sind, die wir uns über den Zustand der Welt machen, zu klaren und überzeugenden Aussagen über unsere Krankheiten kommen, damit wir beginnen können, sie zu verändern. Wenn wir das nicht tun, werden unsere Anstrengungen sich auf rein oberflächliche Symptome richten und vielleicht noch nicht einmal auf Dinge, die direkt mit der Krankheit zusammenhängen.

Im Gegenteil, es scheint sogar, dass unsere Abhilfemaßnahmen instinktiv solche sind, die die Krankheit verstärken: Denn die Gegenmaßnahmen sind Ausdruck der Krankheit selbst.

Ich würde sogar sagen, dass die Krankheit vielleicht ein sehr realer und furchtbarer Hass auf das Leben selbst ist, unbewusst zwar, tief begraben unter dem armseligen und oberflächlichen Optimismus über uns selbst und unsere Wohlstandsgesellschaft.

Und ich denke, dass tatsächlich die Gedankenprozesse, die die Vorstellung eines materialistischen Wohlstands tragen (und dasselbe findet man in allen ökonomischen Systemen und Verhältnissen, die Wohlstand als Selbstzweck ansehen) am Ende selbstzerstörerisch sind. Sie enthalten so viele eingebaute Frustrationen, dass sie unweigerliche in die Verzweiflung führen, inmitten von „Fülle“ und „Glück“, und die grässliche Frucht dieser Verzweiflung ist dann eine rücksichtslose, unterschiedslose und unverantwortliche Zerstörungswut, ein Hass auf das Leben, die sich im Namen des Lebens selbst austobt. Um zu „überleben“, zerstören wir instinktiv das, von dem unser Überleben abhängt.“

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