Fukushima revisted

10. August  2017:

Der folgende, vor mehr als 6 Jahren geschriebenen Text tauchte plötzlich wieder auf. Auf dem Gelände von Fukushima wurde heute unter den Reaktortrümmern  eine Bombe (ein Blindgänger) aus dem 2. Weltkrieg gefunden. Was für ein Sinnbild für das selbstzerstörerische, zunehmend grauenhafte Zivilisationsgebäude, das wir auf dem Planeten errichtet haben!

Und in diesen Tagen steuert das von immer größerem männlichen Ego-Wahnsinn angetriebene Weltgeschehen  sogar auf eine kriegerische Auseinandersetzung mit Nuklearwaffen zu.

 

Im März 2011

„Als ich anfing, dieses Bild zu malen, schwebt mir die schwarze Tafel vor, auf der Rudolf Steiner einst seine metaphysischen Ausführungen mit bunter Kreide untermalte. Dann schob sich Fukushima dazwischen.

Das Bild nahm einen anderen Verlauf und, was sich letztendlich auf der Leinwand zeigte, löste in Kombination mit den Bildern von den zerstörten Atomkraftwerken am Meer, in mir die Assoziation der Medusa aus.

In der Wikipedia las ich, dass Fukushima auf Japanisch „Glücksinsel“ (福島市) heißt!

Und weiter las ich, dass nach der griechischen Mythologie Medusa einst eine wunderschöne Frau war, die zur entstellten Gorgonin verdammt wurde, weil sie eine – nach Auffassung der eifersüchtigen Götter – nicht statthafte, erotische Beziehung mit dem Meeresgott Poseidon, eingegangen war.

Und dann überlagerten sich in meinem Innern Mythos und aktuelle Ereignisse, zeigten sich Allegoriefetzen: War nicht auf der  „Glücksinsel“ ebenfalls die geradezu erotische Faszination des technisch Machbaren – und seine Allmachtsphantasien! – eine illegitime Verbindung mit der unteilbaren Natur (Atom: griech. „Das Unzerschneidbare“) eingegangen, und war diese Beziehung nicht ebenfalls katastrophal gescheitert?

Erhebt nicht nun, wie einst Medusa nach ihrer Entstellung, die entweichende Radioaktivität ihr Gorgonenhaupt und lässt alles erstarren oder flüchten, was in ihr Blickfeld gerät?

Doch damit ist die Geschichte der Medusa nicht zuende. Auch sie unterliegt dem ewigen Zyklus von Werden und Sterben, dem großen Phönix-Mythos. Als der Halbgott Perseus ihr schließlich das Haupt abschlägt, entspringt ihrem Körper Pegasus, das geflügelte Pferd, und schwingt sich auf, den Helden zu neuen Ufern zu tragen.

‚Niemand ist frei vom Zyklus. Der Zyklus ist Leben bringend. Das gesamte Leben auf dem Planeten ist zyklisch‘, sagte Mario Merz.

Im Schwarzen Niederschlag von Fukushima offenbart sich das endgültige Scheitern der patriarchalen Moderne.

Diese Katastrophe markiert aber auch den Beginn einer neuen Zeitrechnung, in der wir nach einer neuen – legitimen, s.o. – Beziehung zur Natur, zur Biosphäre suchen MÜSSEN. Es ist auch die Zeit, in der wir nach einem neuen Platz für den Menschen in der „meta“-physischen Ordnung des Kosmos suchen sollten. Denn letztendlich geht es nicht nur in den alten Mythen der Griechen, sondern in allen Philosophien und Religionen um genau diese Frage der Verortung: Wo ist der Platz des Menschen? Wo ist mein Platz in diesem unüberschaubaren, gewaltigen Geschehen?

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